Experiment: Lokaler Blog ohne Cloud-Dienste — mein Selfhosting-Wochenende

Red Panda Mechanic

Experiment: Lokaler Blog ohne Cloud-Dienste — mein Selfhosting-Wochenende

Am Samstagmorgen saß ich vor meinem Laptop und hatte einen einfachen Plan: einen kleinen Blog aufsetzen, Beiträge schreiben, fertig. Kein WordPress, kein teures Hosting, keine monatlichen Gebühren. Einfach nur ein bisschen experimentieren, was heute ohne Cloud-Dienste möglich ist. Ich ahnte nicht, dass mich dieses Wochenende tiefer in die Welt des Selfhostings führen würde, als ich ursprünglich wollte.

Was mich überhaupt darauf brachte, war eine Mischung aus Neugier und Frustration. In meiner Werkstudententätigkeit sehe ich täglich, wie viele Projekte ohne nachzudenken in der Cloud landen. Ob es ein kleines Tool, eine Testseite oder der Unternehmensblog ist — irgendwo läuft immer ein Container oder eine managed Datenbank, deren Kosten man im Blick behalten muss. Ich wollte wissen: Geht es auch anders?

Was ich ausprobiert habe

Mein Setup war minimalistisch, fast schon liebevoll altmodisch: ein Raspberry Pi 4 im Wohnzimmerregal, eine statische Seite mit Astro und ein bisschen NGINX als Webserver. Die Idee: Ich schreibe meine Beiträge in Markdown, baue die Seite lokal und schiebe die fertigen Dateien per rsync auf den Pi. Kein Docker, keine Container, keine CI/CD-Pipeline — purer, handgemachter Deployment.

Der erste Versuch klappte erstaunlich gut. Innerhalb von zwei Stunden lief die Seite, und ich konnte meinen ersten Artikel veröffentlichen. Aber dann kam die Ernüchterung: Was passiert, wenn der Pi abstürzt? Was, wenn meine dynamische IP wechselt? Und warum fühlt sich das Backup plötzlich komplizierter an als bei einem einfachen WordPress-Plugin?

Was funktionierte — und was nicht

Positiv überrascht hat mich, wie stabil das System läuft, wenn man es einmal eingerichtet hat. Der Pi zieht kaum Strom, und die Ladezeiten sind spürbar schnell, weil keine Datenbank im Hintergrund abgefragt wird. Für einen kleinen Blog, der hauptsächlich Text zeigt, ist das genau das, was man braucht.

Was fehlte, war das automatische HTTPS. Let’s Encrypt auf einem Raspberry Pi ohne feste IP erfordert ein paar Klimmzüge, die ich an diesem Wochenende nicht ganz geschafft habe. Ich musste ein Skript schreiben, das regelmäßig die aktuelle IP prüft und den DNS-Eintrag aktualisiert — das fühlte sich an wie eine Reise in die Vergangenheit des Internets.

Außerdem merkte ich schnell: Ohne die Cloud gewöhne ich mir an, regelmäßiger Backups zu machen. Bei einem managed Hosting vergisst man das leicht. Lokal muss ich selbst ran — und das ist eine gute Disziplin, auch wenn es manchmal nervt.

Was ich mitnehme

Mein Experiment zeigte mir: Selfhosting ist kein Allheilmittel, aber es ist eine wertvolle Perspektive. Man versteht plötzlich, was hinter dem eigenen Blog wirklich passiert — welche Abhängigkeiten man eingeht, wo Daten gespeichert werden und wie viel Komfort man eigentlich gewohnt ist. Für kleine Projekte oder persönliche Seiten ist das ein legitimer Weg, besonders wenn man keine Lust auf monatliche Kosten und Trackingskripte hat.

Offene Frage an euch

Betreibt ihr selbst etwas lokal, oder seid ihr komplett in der Cloud zu Hause? Und wo seht ihr den Punkt, an dem Komfort wichtiger wird als Kontrolle? Ich bin neugierig, wie ihr das abwägt.